Orthopädie

In der Abteilung für Orthopädie behandeln wir sämtliche durch Degeneration und Unfälle verursachten orthopädischen Erkrankungen. Darüber hinaus gehört die Rehabilitation nach Operationen am Haltungs- und Bewegungsapparat zu unseren Hauptindikationen. Wir praktizieren eine „Bewegte Reha“, indem wir regelmäßige und ausdauernde körperliche Aktivität fördern. Die Bewegung hilft, Häufigkeit und Intensität der Beschwerden im Alltag selbstständig positiv zu beeinflussen. 

 

Leitende Ärztin

Dr. med. Ulrike Boock


Das ärztliche Team und seine Qualifikationen

Das ärztliche Team der Mühlenbergklinik zeichnet sich durch eine hohe Fachkompetenz aus. Nicht nur die leitenden Ärztinnen und Ärzten, sondernauch die große Mehrzahl der Stationsärztinnen und -ärzte hat eine fachärztliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen – z.B. für Orthopädie und Unfallchirurgie, Innere Medizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin und Allgemeinmedizin. Außerdem wurden unterschiedliche Zusatzqualifikationen erworben. Die Ärztinnen und Ärzte werden ihren Qualifikationen entsprechend in den drei Fachabteilungen eingesetzt. Auf ihre regelmäßige Fortbildung wird besonderer Wert gelegt. Die enge Zusammenarbeit des ärztlichen Teams mit den übrigen Berufsgruppen bildet eine wichtige Grundlage für die ganzheitliche Betrachtung der Patienten.

 

Wir bieten stationäre und ganztägig ambulante Rehabilitationen an für Patientinnen und Patienten

 

1. mit degenerativen Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates:

Degenerative Erkrankungen

Degenerative Erkrankungen wie der Gelenkverschleiß, Entzündungen und mechanische Überlastungen können zu hartnäckigen Schmerzen führen, die die Mobilität und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ursache ist ein zunehmender Knorpelabrieb an den Gelenken. Jedes Gelenk kann betroffen sein. Infolge der Schmerzen kommt es zu einer Schonung des Gelenkes. Die gelenkführende Muskulatur wird schwächer, die Gelenkverbindung lockerer und unter Belastung kommt es infolge der Stellungsänderung der Gelenkflächen zueinander zur Gelenkdeformität. Leitsymptome sind Belastungsschmerzen, „Anlaufschmerzen“ am Morgen oder nach Ruhephasen, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, eine Überbelastung benachbarter Gelenke oder der Wirbelsäule, eine Gelenkergussbildung sowie gegebenenfalls ein unsicheres, hinkendes Gangbild. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, die Funktion des Gelenkes durch gezielte Physiotherapie, Physikalische Therapie und gegebenenfalls schmerz- und entzündungshemmende Medikamente so lange wie möglich zu erhalten. Oft kann die Belastbarkeit der Gelenke mit nur wenigen, aber individuell angepassten Hilfsmitteln so verbessert werden, dass der Alltag leichter zu bewältigen ist. Diese Unterstützung bieten wir unseren Patienten schon während der Rehabilitation.

Rückenschmerz

Fast jeder Mensch leidet im Laufe seines Lebens einmal an Kreuzschmerzen, die auch als Hexenschuss, Ischias oder Lumbago bekannt sind. Gewöhnlich sind sie harmlos und müssen kein Grund zur Sorge sein. In den meisten Fällen gehen die schmerzhaften Signale von der Muskulatur, den Sehnen und Bändern bzw. von den kleinen Gelenken der Wirbelsäule aus. Daneben können seelische Dauerbelastung und Stress Muskelverspannungen auslösen, die die Schmerzwahrnehmung steigern. Daher lassen sich auch die Schmerzen durch ein gezieltes aktives Training positiv beeinflussen. 

 

Nur selten liegen ernsthafte Erkrankungen zugrunde. Hinweise darauf sind: 

  • Eine vorhergehende Verletzung z.B. durch Unfall oder Sturz 
  • Lähmungserscheinungen 
  • Sich stark verschlimmernde Kreuzschmerzen 
  • Eine bekannte Osteoporose 
  • Eine bekannte Tumorerkrankung, ungeklärter Gewichtsverlust, Fieber 
  • Eine bekannte HIV- Infektion

 

Oft ist die Ursache nicht erkennbar. Das ist positiv zu bewerten, weil damit schwerwiegende Schäden der Wirbelsäule ausgeschlossen sind. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, durch regelmäßige Bewegung, gezieltes Muskeltraining sowie richtigen Umgang mit Stress und Belastung Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit zu erreichen. Für den langfristigen Erfolg ist die Übernahme der geeigneten Maßnahmen in den Alltag entscheidend. Dazu leiten wir unsere Patienten eingehend an. 

Osteoporose

Bei der Osteoporose handelt es sich um einen Substanz- und Stabilitätsverlust des Knochens. Ein typisches Zeichen ist der langsam zunehmende Rundrücken, der sogenannte „Witwenbuckel“. Im Rahmen normaler Stoffwechselvorgänge laufen im Knochen ständig knochenaufbauende und -abbauende Prozesse im Gleichgewicht miteinander ab. Bei der Osteoporose überwiegt der Knochenabbau. Häufige Folgen sind z.B. Wirbelkörperbruch, Schenkelhalsbruch oder Handgelenksbruch. Das Osteoporoserisiko und die möglichen Folgen können verringert werden durch eine calciumreiche Ernährung, das Vermeiden von Stolperfallen in der Wohnung und durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft – auch wenn dabei Schmerzen auftreten. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, die Muskulatur mit gezielter Physiotherapie zu stabilisieren und den Knochenaufbau anzuregen. Die Beweglichkeit und Belastbarkeit werden dadurch verbessert, alltägliche Bewegungen fallen leichter und die Schmerzen lassen nach. Uns ist es sehr wichtig, unseren Patienten aufzuzeigen, wie sie der Osteoporose auch nach der Rehabilitation vorbeugen können.

 

2. nach operativen Eingriffen:

Bei Bandscheibenvorfall

Im natürlichen Alterungsprozess kommt es zu Veränderungen des Flüssigkeitshaushaltes in unserem Körper. Die Elastizität der Gewebsstrukturen nimmt ab. Bei einem Muskelungleichgewicht kann es dann infolge einer spontanen Bewegung durch eine kurze Überlastung des äußeren Bandscheibenfaserringes zu einem Einriss kommen. Ein Teil des weichen Innenkernes tritt aus und führt durch eine Einengung des Wirbelkanals zum Druck auf die dort verlaufenden Nerven (Bandscheibenvorfall). Starke ausstrahlende Schmerzen und ein Taubheitsgefühl sind die Folge. Bei sehr ausgeprägter Störung können auch Lähmungen auftreten. Wenn durch konservative Behandlung mit intensiver Schmerztherapie, Stufenbettlagerung und Physiotherapie keine Besserung erzielt werden kann, ist oft eine Bandscheibenoperation erforderlich. Hier gibt es unterschiedliche Verfahren, die vom Operateur dem aktuellen Untersuchungsbefund entsprechend ausgewählt werden. Ziel ist die Druckentlastung der betroffenen Nerven, um die Schmerzen zu lindern und Ausfallerscheinungen zu verbessern. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, durch physiotherapeutisches Training das muskuläre Gleichgewicht wieder herzustellen. Wir legen großen Wert darauf, unsere Patienten in ihrer Körperwahrnehmung zu schulen, um künftige Überlastungen und damit die Gefahr eines erneuten Bandscheibenvorfalls zu vermeiden. 

Wirbelsäulenoperation

Operative Eingriffe an der Wirbelsäule können bei unterschiedlichen Erkrankungen oder Verletzungen erforderlich werden. Dazu gehören z. B. unfallbedingte Wirbelkörperfrakturen, osteoporotische Wirbelkörpereinbrüche, Wirbelsäulendeformitäten wie eine starke Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) oder Instabilitäten (Wirbelgleiten). In Abhängigkeit von der Grunderkrankung werden unterschiedliche Operationsverfahren eingesetzt. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, nach Operationen an der Wirbelsäule durch eine langsam aufbauende, muskulär stabilisierende Behandlung Schonhaltungen und somit Fehlbelastungen abzubauen. Durch das Einüben der richtigen Bewegungsabläufe schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unsere Patienten möglichst wieder in ihr gewohntes soziales und berufliches Alltagsleben zurückkehren können. Eine seelische Stabilisierung kann begleitend von großer Bedeutung sein. Daher bieten wir unseren Patienten je nach individuellem Bedarf psychologische Gespräche zur Verbesserung der Krankheits- und Schmerzverarbeitung sowie das Erlernen von Entspannungstechniken an. 

Künstlicher Gelenkersatz

Am häufigsten werden Hüft-, Knie-, Schulter- und zunehmend Sprunggelenke künstlich ersetzt. Den Endoprothesentyp (Oberflächenersatz, Teil- oder Totalendoprothese) und die Art der Implantation (zementfrei oder zementiert) legt der Operateur nach den individuellen Gegebenheiten fest. Thrombosen und Embolien sind mögliche Komplikationen. Dem beugen sowohl die medikamentöse Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten als auch die Frühmobilisation nach der Operation vor. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, die allgemeinen Fähigkeiten und die Belastbarkeit zu steigern, um eine möglichst optimale soziale und ggf. berufliche Wiedereingliederung in den Alltag zu erreichen. Dazu steht in unserer Klinik die Einzeltherapie durch einen entsprechend qualifizierten Physiotherapeuten im Vordergrund der Behandlung. Nach Operationen im Bereich der Beine werden die Patienten zu richtigem Gehen an Unterarmstützen angeleitet. Unsere Patienten lernen, Hilfsmittel wie langen Schuhlöffel, Strumpfanziehhilfe oder lange Greifzange sinngerecht einzusetzen, wenn damit das Wiedererlangen der Selbstständigkeit unterstützt werden kann. 

Amputation

Bei etwa 47.000 Menschen werden in Deutschland jährlich Amputationen durchgeführt. Krankheitsbilder, die am häufigsten zur Amputation führen, sind die arteriellen Durchblutungsstörungen (80-90%), Tumorerkrankungen sowie Unfälle. Ungefähr 60% der Amputierten leiden an einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, nach der Amputation die bestmögliche familiäre, soziale und ggf. berufliche Wiedereingliederung in den Alltag zu erreichen. Dazu gehört, dass zunächst die Wundheilung soweit abgeschlossen wird, dass eine erste Prothese angepasst werden kann. Training im richtigen Umgang mit der Prothese, Gehschule und Ergotherapie schließen sich an. Begleitend weisen wir unsere Patientinnen und Patienten in die Pflege und Abhärtung des Stumpfes ein. Besondere Bedeutung kommt der Behandlung der Grundkrankheit zu. Hier profitieren unsere Patienten davon, dass in der Abteilung für Innere Medizin der Mühlenbergklinik auf den Gebieten der Gefäßerkrankungen und des Diabetes mellitus eine besondere fachliche Kompetenz vorhanden ist. An den regelmäßig speziell für Amputierte durchgeführten Visiten nimmt ein Team teil, das sich aus den an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen zusammen setzt und durch einen Orthopädietechniker ergänzt wird. So können wir in der Mühlenbergklinik gewährleisten, dass bei unseren Patienten erforderliche Anpassungen der Prothesen ohne Zeitverlust vorgenommen werden. Die individuelle Behandlung und Versorgung unserer amputierten Patienten ist uns sehr wichtig. Daher geben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bedarf Hilfestellung bei der Umgestaltung der häuslichen Einrichtung und der Nachsorge nach der Rehabilitation.  

 

3. nach Verletzungen des Bewegungsapparates:

Knochenbrüche und Gelenkverletzungen

Durch Verletzungen im Bereich des Haltungs- und Bewegungsapparates (Knochenbrüche, Bandverletzungen, Gelenkverrenkungen) kann es sowohl nach konservativer Behandlung mit Gelenkruhigstellung im Gipsverband oder mit speziellen Schienen (Orthesen) als auch nach operativer Behandlung (Verplattung, Nagelung, Verschraubung, Bandrekonstruktionen) zu länger dauernden körperlichen Einschränkungen kommen. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, nach der Versorgung und Frühbehandlung dieser Verletzungen die Gelenkbeweglichkeit und Muskelkraft gezielt zu steigern, um die allgemeine Mobilität und somit die Eigenständigkeit zu fördern. Dies wird durch eine optimal aufeinander abgestimmte physiotherapeutische, physikalische, sport- und ergotherapeutische Behandlung erreicht. Unsere auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Sozialberatungen und psychotherapeutischen Angebote unterstützen unsere Patientinnen und Patienten bei ihrer Wiedereingliederung in ihr Alltags- und Berufsleben. 

Mehrfachverletzungen

Mehrfachverletzte Patienten leiden zum Einen an den Folgen der Verletzungen am Bewegungsapparat mit meist erheblichen Einschränkungen der Gehfähigkeit und der allgemeinen körperlichen Belastbarkeit. Zum Anderen bestehen häufig zusätzliche Beeinträchtigungen durch Verletzungen innerer Organe oder des Nervensystems. 

Der Heilungsverlauf ist oft sehr langwierig und somit für Betroffene nicht nur körperlich sondern auch seelisch sehr belastend. 

 

Ziel der Rehabilitation ist es, nach Mehrfachverletzungen durch gezieltes Muskelaufbautraining die Mobilität zu fördern und die psychische Verarbeitung des Geschehens bei Bedarf zu unterstützen. Die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sporttherapeuten, Psychologen, Orthopädietechnikern und Sozialarbeitern ist für uns eine wichtige Voraussetzung dafür, dass unsere Patientinnen und Patienten möglichst gut und möglichst schnell wieder in ihren Alltag zurück finden.