Verhaltensmedizin

In der Abteilung für Verhaltensmedizin werden Patienten mit chronischen Schmerzen und chronischer Erschöpfung behandelt. Dabei tragen wir der Wechselwirkung zwischen körperlicher und psychischer Befindlichkeit in besonderer Weise Rechnung. Wir kombinieren bewährte medizinische, physiotherapeutische, psychologische und sozialtherapeutische Bausteine zu einem modernen und wirksamen fachübergreifenden Ansatz. Die Behandlung findet in der Regel in Gruppen statt, so dass die zwischenmenschliche Unterstützung einen wichtigen Stellenwert einnimmt. 

 

Das ärztliche Team und seine Qualifikationen

Das ärztliche Team der Mühlenbergklinik zeichnet sich durch eine hohe Fachkompetenz aus. Nicht nur die leitenden Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die große Mehrzahl der Stationsärztinnen und -ärzte hat eine fachärztliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen – z.B. für Orthopädie und Unfallchirurgie, Innere Medizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin und Allgemeinmedizin. Außerdem wurden unterschiedliche Zusatzqualifikationen erworben. Die Ärztinnen und Ärzte werden ihren Qualifikationen entsprechend in den drei Fachabteilungen eingesetzt. Auf ihre regelmäßige Fortbildung wird besonderer Wert gelegt. Die enge Zusammenarbeit des ärztlichen Teams mit den übrigen Berufsgruppen bildet eine wichtige Grundlage für die ganzheitliche Betrachtung der Patientinnen und Patienten, die in der Mühlenbergklinik rehabilitiert werden. 

 

Wir bieten stationäre und ganztägig ambulante Rehabilitationen an für Patientinnen und Patienten mit:

 

Chronischen Schmerzen und chronischer Erschöpfung

Die Behandlung von chronischen Schmerzen und Erschöpfungszuständen ist komplex und erfordert eine intensive Zusammenarbeit von Betroffenen und Therapeuten. Gelingt diese Zusammenarbeit nicht, ist der Krankheitsverlauf oft unbefriedigend. Häufig können Schmerzen nicht ausreichend durch nachweisbare Gewebeschäden erklärt werden. Neuere Forschungsergebnisse erklären das Auftreten dieser Schmerzen durch Veränderungen des Nervensystems mit einer Herabsetzung der „Schmerzschwelle“. Auch spielen Muskelverspannungen und Probleme in der Stressverarbeitung eine zentrale Rolle. 

Anhaltender somatoformer Schmerzstörung

Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung liegt dann vor, wenn ein Mensch über mehr als sechs Monate anhaltend über schwere und quälende Schmerzen klagt, für deren Erklärung Gewebeschäden bei der körperlichen Untersuchung nicht oder nicht hinreichend nachgewiesen werden können. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung stellt eine Unterform chronischer Schmerzsyndrome allgemeiner Art dar. Psychosoziale Belastungen und langjähriger Stress spielen bei der Entstehung eine entscheidende Rolle. 

Chronischem Schmerzsyndrom

Ein chronisches Schmerzsyndrom bzw. eine chronische Schmerzkrankheit entsteht dann, wenn Schmerz seine eigentliche Funktion als Warn- und Leithinweis verliert, sich verselbständigt und einen eigenen Krankheitswert erhält. Von einer „Chronifizierung” wird gesprochen, wenn Schmerzen mehr als drei bis sechs Monate anhalten. Funktionseinschränkungen im beruflichen und privaten Bereich sind häufig die Folge. Dieses führt meist zu psychosozialen Belastungen in der Familie oder im Beruf und nicht selten auch zu psychischen Störungen. Auslöser können Verletzungen, Operationen oder andere Gewebeschäden sein. Muskelverspannungen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit können bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Schmerzsymptomatik eine Rolle spielen. In unserem Haus werden vorrangig Schmerzsyndrome des muskulo-skelettalen Bereiches behandelt. 

Erschöpfungssyndrom mit muskulo-skelettalen Beschwerden

Zum Erschöpfungssyndrom oder „Burnout” gehören sowohl körperliche Symptome wie Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen als auch psychische Symptome wie Angst oder Depression. Zunehmende Gefühle von Hilflosigkeit, manchmal in Kombination mit Gleichgültigkeit oder sogar Zynismus sich selbst oder anderen gegenüber, gehören ebenfalls zum Erscheinungsbild. Nicht selten führen berufliche bzw. private Überforderungen zu Erschöpfungssyndromen. Starke innere Anspannung, Schlafstörungen und eine Neigung zu Grübeleien verhindern die eigentlich notwendige Erholung.

Fibromyalgiesyndrom

Das Fibromyalgiesyndrom ist eine Unterform der chronischen Schmerzsyndrome. Beim Fibromyalgiesyndrom kommt es zu Schmerzen in mehreren Körperregionen, besonders im muskulo-skelettalen Bereich. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Druckschmerzempfindlichkeit vieler Körperregionen mit Steifigkeits- und Schwellungsgefühlen in den Händen und Füßen und im Gesicht. Strukturelle Organschädigungen werden meist nicht gefunden, auch zeigen sich in der Regel keine krankhaften Blutbefunde. Zusätzlich kommen häufig andere Symptome hinzu, wie vermehrte Müdigkeit, Schlafstörungen und seelische Verstimmungen, vermehrte Ängstlichkeit und Depressivität. Außerdem finden sich Morgensteifigkeit, Ohrgeräusche (Tinnitus) und Beschwerden des Verdauungstraktes, Kopfschmerzen vom Spannungstyp, atem- oder herzbezogene Beschwerden, Schwindel, vermehrtes Frieren oder Schwitzen.   

Funktionellen Beschwerden im muskulo-skelettalen Bereich

Schmerzen im Bewegungsapparat, die ohne eine Gewebeschädigung entstehen, werden als funktionelle Beschwerden eingestuft. Röntgenbilder und die gesamte bildgebende Diagnostik ergeben keinen krankhaften Befund. Bei der körperlichen Untersuchung lassen sich aber Blockierungen, Fehlhaltungen und ähnliche Veränderungen finden. Chirotherapeutische Behandlungen können zur Linderung der Symptome beitragen. Allerdings treten die Beschwerden nicht selten innerhalb eines kurzen Zeitraumes wieder auf.

Schmerzen im muskulo-skelettalen Bereich bei psychischer Belastung

Schmerzen im Bereich des Muskel- und Bindegewebes sowie im Bereich der Wirbelsäule entstehen sehr häufig bei Fehlhaltungen und sogenannten „Dysbalancen” der Muskulatur. Dieses kann sehr schmerzhaft sein und zu Dauerbeschwerden führen. Durch die Verspannung schmerzen die Muskeln, und die Sehnenansätze sind durch die Dauerbelastung gereizt. Menschen, die im täglichen Leben sehr gefordert und belastet sind, sich nicht ausreichend regenerieren können, keine Zeit haben, sich ausreichend zu bewegen, und zusätzlich schlecht schlafen, leben in einer dauernden inneren Anspannung. Vorübergehender Stress führt zur Ausschüttung von Stresshormonen mit erhöhter Aktivität des vegetativen Nervensystems. Ein dauerhaft erhöhtes Stressniveau führt zur Überforderung dieser Systeme und langfristig (über viele Jahre und Jahrzehnte) zu Veränderungen im Nervensystem. Es kann in der Folge zur Entwicklung einer Burnout-Symptomatik bzw. einer chronischen Schmerzsymptomatik kommen.


Unser Behandlungsansatz

Unsere Fachabteilung verfolgt für alle genannten Krankheitsbilder einen fachübergreifenden Ansatz, der den jüngeren Forschungsergebnissen Rechung trägt. Wir kombinieren medizinische Diagnostik, intensive Schulungen, psychologische Einzel- und Gruppengespräche, individuelle Beratungen, Anleitung zu körperlichen Aktivitäten und die Vermittlung von Entspannungsverfahren. Durch eine Behandlung in Gruppen fördern wir den Austausch mit anderen Menschen, die unter ähnlichen Beschwerden leiden. 

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Erarbeitung eines individuellen Krankheitskonzeptes. Dieses bedeutet, dass mit jeder Patientin und jedem Patienten gemeinsam überlegt wird, warum die Beschwerden vorhanden sind und welche Therapien auch langfristig sinnvoll und notwendig sind. In der Abteilung Verhaltensmedizin arbeiten Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, die Mitarbeiter der Therapieabteilung und des Sozialdienstes sehr eng zusammen. Regelmäßige Besprechungen und Abstimmungen tragen dazu bei, dass körperliche, seelische und soziale Faktoren bei unserer Behandlung Berücksichtigung finden.